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11.1.2026: Die Eule und der Löwenzahn

In einer stillen Lichtung, umgeben von alten Bäumen und singenden Grashüpfern, lebte eine junge Eule namens Ella. Ella war klug – das sagte zumindest ihre Mutter – aber sie war auch sehr ungeduldig. Sie wollte alles sofort wissen, sofort können, sofort verstehen. Eines Tages entdeckte Ella eine Pusteblume. „Wie wunderschön du bist!“, rief sie. „Aber wie wirst du zu so etwas?“ Der Löwenzahn antwortete mit einem leisen Flüstern im Wind: „Geduld, kleine Eule. Ich war einmal nur ein Samenkorn.“ „Das dauert mir zu lange“, murmelte Ella und flog weiter. Sie fragte den Biber, wie man einen Damm baut, den Frosch, wie man so hoch springen kann, und den Specht, wie man mit dem Schnabel hämmert – und alle sagten dasselbe: „Mit Geduld.“ Doch Ella wollte schnelle Antworten. Und weil sie keine fand, war sie am Abend enttäuscht. Als sie wieder an der Lichtung vorbeikam, stand der Löwenzahn noch immer da – doch seine gelbe Blüte war verschwunden. Stattdessen war er nun eine zarte weiße Kugel voller Sa...

4.1.2026: Lina, das Lamm, das den Weg verlor

Auf einer friedlichen Wiese am Rande der Berge lebte ein kleines Lamm namens Lina. Sie war das neugierigste Lamm der ganzen Herde. Während die anderen gemütlich grasten oder dösten, stellte Lina Fragen. Warum ist das Gras grün? Wo geht die Sonne schlafen? Und wie fühlt sich der Himmel an? Eines Morgens, als der Tau noch glitzerte, beschloss Lina, Antworten zu suchen. Sie tappte leise davon – über einen Bach, an einem alten Baum vorbei, bis sie die Wiese nicht mehr sehen konnte. Zuerst war alles spannend und neu. Bunte Schmetterlinge tanzten um sie herum, Vögel sangen Lieder, die sie noch nie gehört hatte. Doch als der Tag sich dem Abend zuneigte und die Schatten länger wurden, merkte Lina plötzlich: Sie hatte den Rückweg verloren. „Hallo?“, rief sie leise in den Wald. Keine Antwort. Nur das Rascheln der Blätter. Gerade als sie sich zusammengerollt hatte, um zu weinen, erschien eine leise Stimme: „Du hast dich verirrt, nicht wahr?“ Es war ein alter Dachs, grau und gemütlich. Lina nickte...

28.12.2025: Der kleine Dachs und das verlorene Licht

In einem weiten Wald, wo die Bäume so alt waren, dass sie sich Geschichten zuflüsterten, lebte ein kleiner Dachs namens Dorian. Dorian war freundlich, neugierig – und hatte große Angst vor der Dunkelheit. Jeden Abend, wenn die Sonne unterging und die Schatten länger wurden, verkroch sich Dorian tief in seinen Bau. Er zog die Decke über den Kopf und wartete, bis der Morgen kam. Eines Tages fand er am Waldrand etwas Seltsames: eine kleine Laterne aus Holz, mit einem zerbrochenen Griff, aber einem warmen, leuchtenden Schein darin. „Du kannst mich mitnehmen“, flüsterte das Licht. „Aber ich kann nur leuchten, wenn du anderen hilfst.“ Dorian war verwirrt, aber auch ein bisschen mutiger als sonst. Also nahm er die Laterne und wanderte in der Dämmerung durch den Wald. Schon bald hörte er eine Maus weinen, die sich verlaufen hatte. Dorian brachte sie sicher nach Hause – und die Laterne leuchtete heller. Später half er einem Igel, der in einem Brombeerbusch feststeckte. Wieder wurde das Licht ei...

21.12.2025: Die Schildkröte und der Stern

Es war einmal eine kleine Schildkröte namens Selma, die in einem stillen Garten am Rand des Waldes lebte. Selma war langsam, sehr langsam. Die Vögel neckten sie manchmal, weil sie so trödelte, und die Hasen kicherten, wenn sie wieder einmal mitten auf dem Weg einschlief. Doch Selma störte das nicht besonders. Sie hatte einen Traum: Sie wollte eines Tages zu einem ganz bestimmten Stern reisen. „Aber Schildkröten fliegen doch nicht!“, rief der Spatz. „Und Sterne sind viel zu weit weg!“, meckerte das Eichhörnchen. Selma aber lächelte nur. Jeden Abend, wenn es dunkel wurde, kletterte sie auf ihren Lieblingsstein und schaute hinauf zum Himmel, wo ein kleiner, funkelnder Stern besonders hell leuchtete – ihr Stern, wie sie ihn nannte. „Ich komme zu dir, irgendwann“, flüsterte sie. Die Jahre vergingen. Selma wurde älter, aber sie vergaß ihren Traum nie. Sie wanderte durch den Garten, durch Wiesen, durch Felder. Sie lernte neue Tiere kennen, half den Ameisen, wenn der Regen kam, gab Schatten, w...

14.12.2025: Der kleine Fuchs, der den Wind suchte

Tief im Wald, wo die Bäume flüstern und die Schatten freundlich sind, lebte ein kleiner Fuchs namens Finnegan. Er war jung, neugierig und schneller als jeder seiner Geschwister. Doch es gab etwas, das Finnegan nicht fangen konnte: den Wind. „Warum willst du den Wind fangen?“ fragte die weise alte Eule, als Finnegan wieder einmal durch das Geäst raste. „Weil er überall ist und doch nirgends! Ich will wissen, wohin er geht und woher er kommt“, rief Finnegan atemlos. Die Eule nickte langsam. „Dann musst du lernen, nicht nur mit den Pfoten zu suchen, sondern auch mit dem Herzen.“ Finnegan verstand das nicht ganz, aber er beschloss weiterzusuchen. Er rannte über Lichtungen, sprang über Bäche, kletterte auf Hügel. Überall spürte er den Wind – auf seinem Fell, in seinen Ohren, sogar tief in seinem Bauch, wenn er schnell genug lief. Doch sehen konnte er ihn nie. Festhalten schon gar nicht. Eines Abends, als der Himmel sich rosa färbte und die Vögel stiller wurden, setzte sich Finnegan auf eine...

7.12.2025: Die kleine Wolke und der große Regen

Hoch oben am Himmel, wo die Sonne golden scheint und der Wind Geschichten flüstert, schwebte eine kleine Wolke namens Willa. Sie war weich, weiß und sehr neugierig. Jeden Tag beobachtete sie die Welt unter sich – die Felder, die Wälder, die Flüsse. Doch eines Tages hörte Willa etwas, das sie traurig machte. „Oh nein, Regen!“, riefen die Menschen. „Jetzt wird alles nass und grau!“ Willa erschrak. Denn sie wusste: In ihr wuchs langsam ein Regen. Nicht weil sie traurig war, sondern weil das einfach so ist bei jungen Wolken. „Was, wenn mich niemand mehr mag, wenn ich regne?“, fragte sie den Wind. Der Wind lachte sanft. „Oh Willa. Du verstehst noch nicht, wie wichtig Regen ist.“ Willa flog weiter. Unter ihr sah sie eine Wiese, die ganz trocken war. Die Blumen ließen ihre Köpfe hängen, das Gras war blass. „Könnt ihr mich nicht ein bisschen gießen?“, murmelte eine kleine Blume. Willa zögerte. Sollte sie? Oder würde man sie dann für eine traurige, störende Wolke halten? Dann erinnerte sie sich...

30.11.2025: Der kleine Bär und das verlorene Brummen

Es war einmal ein kleiner Bär namens Benno, der in einer Höhle am Rand eines großen Waldes lebte. Benno war freundlich, tapsig – und bekannt für sein kräftiges, warmes Brummen. Jeden Morgen begrüßte er die Sonne mit einem Brumm, jeden Abend brummte er sich selbst in den Schlaf. Eines Tages jedoch, als der Wind besonders wild durch die Bäume zog, wachte Benno auf – und sein Brummen war weg. Er versuchte es leise: „Brrr...“ Er versuchte es laut: „BRRRR...“ Nichts. Benno war erschrocken. „Was, wenn ich nie wieder brummen kann?“, murmelte er. Also machte er sich auf den Weg, sein Brummen zu suchen. Er fragte die Eule im alten Baum: „Hast du mein Brummen gesehen?“ Die Eule schüttelte den Kopf. „Manchmal versteckt sich, was zu uns gehört.“ Benno wanderte weiter und traf auf den Dachs, der gerade seine Höhle ausfegte. „Hast du vielleicht mein Brummen gefunden?“ Der Dachs dachte nach. „Hast du heute schon gelächelt? Manchmal kommt das Brummen dann zurück.“ Benno seufzte. Es war kein Tag zum Lä...