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Es werden Posts vom Januar, 2026 angezeigt.

25.1.2026: Der kleine Igel und die stille Nacht

Am Rand eines Gartens, dort wo das Gras weich und das Laub besonders raschelig war, lebte ein kleiner Igel namens Theo. Theo mochte den Tag. Er mochte die Sonne, die Wärme und die Geräusche. Doch wenn es Nacht wurde, fühlte er sich oft unruhig. „Die Nacht ist so still“, murmelte Theo jeden Abend. „Zu still.“ Wenn alles ruhig wurde, hörte er jedes Knacken, jedes Rascheln, jeden entfernten Laut. Dann rollte er sich fest zusammen und wartete, bis der Morgen kam. Eines Abends setzte sich eine alte Katze auf den Gartenzaun. Sie hatte schon viele Nächte gesehen und bewegte sich lautlos wie ein Schatten. „Warum bist du so angespannt, kleiner Igel?“ fragte sie ruhig. „Weil die Nacht so leer ist“, antwortete Theo. „Da ist nichts.“ Die Katze lächelte. „Hör genauer hin.“ Theo spitzte die Ohren. Zuerst hörte er nur sein eigenes Atmen. Dann bemerkte er das leise Zirpen einer Grille. Ein fernes Rauschen der Bäume. Den Flügelschlag einer Eule. Und ganz nah das sanfte Klopfen seines Herzens. „Die Nach...

18.1.2026: Der kleine Fisch und das tiefe Wasser

In einem klaren See, dessen Oberfläche tagsüber in der Sonne glitzerte, lebte ein kleiner Fisch namens Fino. Fino kannte jede Pflanze am Ufer, jeden Stein im flachen Wasser und jedes Rascheln der Schilfhalme. Doch eines machte ihm Angst: das tiefe Wasser. „Dort unten ist es dunkel“, sagte Fino oft. „Und man weiß nie, was dort schwimmt.“ Die anderen Fische nickten oder schwammen einfach weiter. Nur die alte Karpfen-Dame hörte ihm immer aufmerksam zu. Eines Abends, als der Himmel langsam dunkler wurde und der See ganz still war, fragte sie Fino: „Was glaubst du, ist im tiefen Wasser?“ „Angst“, antwortete Fino sofort. Die Karpfen-Dame lächelte. „Vielleicht. Aber vielleicht auch Ruhe.“ In dieser Nacht konnte Fino nicht schlafen. Das Wasser war warm, der Mond spiegelte sich silbern auf der Oberfläche. Ganz langsam schwamm er ein Stück weiter hinaus als sonst. Nur ein kleines Stück. Das Wasser wurde dunkler, aber auch stiller. Kein Rascheln, kein Schatten. Nur ein sanftes Schaukeln. Fino bli...

11.1.2026: Die Eule und der Löwenzahn

In einer stillen Lichtung, umgeben von alten Bäumen und singenden Grashüpfern, lebte eine junge Eule namens Ella. Ella war klug – das sagte zumindest ihre Mutter – aber sie war auch sehr ungeduldig. Sie wollte alles sofort wissen, sofort können, sofort verstehen. Eines Tages entdeckte Ella eine Pusteblume. „Wie wunderschön du bist!“, rief sie. „Aber wie wirst du zu so etwas?“ Der Löwenzahn antwortete mit einem leisen Flüstern im Wind: „Geduld, kleine Eule. Ich war einmal nur ein Samenkorn.“ „Das dauert mir zu lange“, murmelte Ella und flog weiter. Sie fragte den Biber, wie man einen Damm baut, den Frosch, wie man so hoch springen kann, und den Specht, wie man mit dem Schnabel hämmert – und alle sagten dasselbe: „Mit Geduld.“ Doch Ella wollte schnelle Antworten. Und weil sie keine fand, war sie am Abend enttäuscht. Als sie wieder an der Lichtung vorbeikam, stand der Löwenzahn noch immer da – doch seine gelbe Blüte war verschwunden. Stattdessen war er nun eine zarte weiße Kugel voller Sa...

4.1.2026: Lina, das Lamm, das den Weg verlor

Auf einer friedlichen Wiese am Rande der Berge lebte ein kleines Lamm namens Lina. Sie war das neugierigste Lamm der ganzen Herde. Während die anderen gemütlich grasten oder dösten, stellte Lina Fragen. Warum ist das Gras grün? Wo geht die Sonne schlafen? Und wie fühlt sich der Himmel an? Eines Morgens, als der Tau noch glitzerte, beschloss Lina, Antworten zu suchen. Sie tappte leise davon – über einen Bach, an einem alten Baum vorbei, bis sie die Wiese nicht mehr sehen konnte. Zuerst war alles spannend und neu. Bunte Schmetterlinge tanzten um sie herum, Vögel sangen Lieder, die sie noch nie gehört hatte. Doch als der Tag sich dem Abend zuneigte und die Schatten länger wurden, merkte Lina plötzlich: Sie hatte den Rückweg verloren. „Hallo?“, rief sie leise in den Wald. Keine Antwort. Nur das Rascheln der Blätter. Gerade als sie sich zusammengerollt hatte, um zu weinen, erschien eine leise Stimme: „Du hast dich verirrt, nicht wahr?“ Es war ein alter Dachs, grau und gemütlich. Lina nickte...