7.6.2026: Der kleine Vogel und der ruhige Ast
In einem großen Kastanienbaum lebte ein kleiner Vogel namens Nino. Tagsüber flog Nino von Ast zu Ast, suchte Körner im Gras und badete im Staub des Weges. Doch am Abend wurde er langsamer. Dann suchte er immer denselben Platz: einen schmalen Ast weit oben im Baum. An diesem Abend wehte ein leichter Wind. Die Blätter raschelten leise, und der Himmel färbte sich langsam dunkel. Nino flog zu seinem Ast, setzte sich und rückte ein wenig näher an den Stamm. Der Ast bewegte sich kaum. Er war glatt, aber fest. Unter Nino lag der Garten, schon still geworden. Keine Stimmen mehr, kein Laufen, nur das Zirpen einer einzelnen Grille. Nino legte den Kopf schief und hörte zu. Der Wind zog durch die Krone, irgendwo knarrte Holz, und in der Ferne rief eine Eule. Der Ast schwankte ganz leicht, als würde er atmen. Nino zog ein Bein an, dann das andere. Sein Gefieder plusterte sich auf. Der Baum hielt ihn, wie er es jeden Abend tat. Über den Blättern erschien der Mond. Sein Licht fiel zwischen die Zweige...