18.1.2026: Der kleine Fisch und das tiefe Wasser

In einem klaren See, dessen Oberfläche tagsüber in der Sonne glitzerte, lebte ein kleiner Fisch namens Fino. Fino kannte jede Pflanze am Ufer, jeden Stein im flachen Wasser und jedes Rascheln der Schilfhalme. Doch eines machte ihm Angst: das tiefe Wasser.

„Dort unten ist es dunkel“, sagte Fino oft. „Und man weiß nie, was dort schwimmt.“

Die anderen Fische nickten oder schwammen einfach weiter. Nur die alte Karpfen-Dame hörte ihm immer aufmerksam zu.

Eines Abends, als der Himmel langsam dunkler wurde und der See ganz still war, fragte sie Fino:
„Was glaubst du, ist im tiefen Wasser?“

„Angst“, antwortete Fino sofort.

Die Karpfen-Dame lächelte. „Vielleicht. Aber vielleicht auch Ruhe.“

In dieser Nacht konnte Fino nicht schlafen. Das Wasser war warm, der Mond spiegelte sich silbern auf der Oberfläche. Ganz langsam schwamm er ein Stück weiter hinaus als sonst. Nur ein kleines Stück.

Das Wasser wurde dunkler, aber auch stiller. Kein Rascheln, kein Schatten. Nur ein sanftes Schaukeln.

Fino blieb stehen und lauschte. Sein Herz klopfte erst schnell, dann immer ruhiger. Und plötzlich merkte er: Die Tiefe war nicht bedrohlich. Sie war einfach nur anders.

Er schwamm nicht weit hinunter. Das musste er auch nicht. Er hatte genug gesehen.

Am nächsten Morgen erzählte Fino der Karpfen-Dame davon.
„Ich war kurz dort“, sagte er stolz. „Und ich bin heil zurückgekommen.“

Die Karpfen-Dame nickte. „Man muss nicht alles erobern. Manchmal reicht es, die Angst ein kleines Stück kleiner zu machen.“

In dieser Nacht schlief Fino besonders ruhig – mit dem Wissen, dass die Tiefe da war, aber ihn nicht mehr erschreckte.

Gute Nacht.

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