25.1.2026: Der kleine Igel und die stille Nacht

Am Rand eines Gartens, dort wo das Gras weich und das Laub besonders raschelig war, lebte ein kleiner Igel namens Theo. Theo mochte den Tag. Er mochte die Sonne, die Wärme und die Geräusche. Doch wenn es Nacht wurde, fühlte er sich oft unruhig.

„Die Nacht ist so still“, murmelte Theo jeden Abend. „Zu still.“

Wenn alles ruhig wurde, hörte er jedes Knacken, jedes Rascheln, jeden entfernten Laut. Dann rollte er sich fest zusammen und wartete, bis der Morgen kam.

Eines Abends setzte sich eine alte Katze auf den Gartenzaun. Sie hatte schon viele Nächte gesehen und bewegte sich lautlos wie ein Schatten.

„Warum bist du so angespannt, kleiner Igel?“ fragte sie ruhig.

„Weil die Nacht so leer ist“, antwortete Theo. „Da ist nichts.“

Die Katze lächelte. „Hör genauer hin.“

Theo spitzte die Ohren. Zuerst hörte er nur sein eigenes Atmen. Dann bemerkte er das leise Zirpen einer Grille. Ein fernes Rauschen der Bäume. Den Flügelschlag einer Eule. Und ganz nah das sanfte Klopfen seines Herzens.

„Die Nacht ist nicht leer“, sagte die Katze leise. „Sie ist nur leiser als der Tag.“

Theo blieb noch lange wach, aber diesmal ohne Angst. Er hörte zu. Er fühlte sich getragen von der Dunkelheit, nicht bedroht.

Als er schließlich einschlief, war die Nacht nicht mehr fremd. Sie war wie eine Decke geworden, die alles umhüllte und schützte.

Gute Nacht.

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