4.1.2026: Lina, das Lamm, das den Weg verlor
Auf einer friedlichen Wiese am Rande der Berge lebte ein kleines Lamm namens Lina. Sie war das neugierigste Lamm der ganzen Herde. Während die anderen gemütlich grasten oder dösten, stellte Lina Fragen. Warum ist das Gras grün? Wo geht die Sonne schlafen? Und wie fühlt sich der Himmel an?
Eines Morgens, als der Tau noch glitzerte, beschloss Lina, Antworten zu suchen. Sie tappte leise davon – über einen Bach, an einem alten Baum vorbei, bis sie die Wiese nicht mehr sehen konnte.
Zuerst war alles spannend und neu. Bunte Schmetterlinge tanzten um sie herum, Vögel sangen Lieder, die sie noch nie gehört hatte. Doch als der Tag sich dem Abend zuneigte und die Schatten länger wurden, merkte Lina plötzlich: Sie hatte den Rückweg verloren.
„Hallo?“, rief sie leise in den Wald. Keine Antwort. Nur das Rascheln der Blätter.
Gerade als sie sich zusammengerollt hatte, um zu weinen, erschien eine leise Stimme: „Du hast dich verirrt, nicht wahr?“ Es war ein alter Dachs, grau und gemütlich. Lina nickte.
Der Dachs lächelte. „Dann zeig mir doch mal, was du gesehen hast. Vielleicht erkennen wir gemeinsam den Weg zurück.“
Sie erzählte vom Schmetterlingsbaum, vom sprechenden Bach und vom windschiefen Felsen. Und der Dachs nickte immer wieder. „Komm, ich bring dich heim.“
Der Rückweg war lang, aber voller Geschichten. Als sie wieder auf ihrer Wiese stand und die anderen Lämmer friedlich schliefen, war der Himmel schon voller Sterne.
„Du hast dich verlaufen“, sagte der Dachs, „aber du hast den Mut gehabt, Neues zu entdecken. Und manchmal führt ein Umweg genau dorthin, wo man hingehört.“
Lina kuschelte sich ins hohe Gras, blickte hinauf zum Sternenhimmel und schlief ein – zufrieden, ein bisschen klüger und nicht mehr ganz so ängstlich.
Gute Nacht.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen