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Es werden Posts vom Oktober, 2025 angezeigt.

26.10.2025: Der Fuchs, der das Leuchten suchte

In einem Tal, das zwischen zwei hohen Bergen lag, lebte ein junger Fuchs namens Finni. Finni war klug, neugierig – und voller Sehnsucht. Denn jede Nacht, wenn er in den Himmel blickte, sah er die Sterne glitzern. Und jedes Mal fragte er sich: „Wie fühlt sich so ein Leuchten an?“ Eines Abends beschloss er, sich auf den Weg zu machen. „Ich werde das Leuchten finden“, sagte er. „Ich will wissen, wie es sich anfühlt, wenn man selbst so hell ist wie ein Stern.“ So wanderte Finni los. Er lief durch Wälder, über Wiesen, kletterte Hügel hinauf und sprang über kleine Bäche. Doch je weiter er ging, desto dunkler wurde die Nacht. Er begegnete einem Glühwürmchen. „Bist du das Leuchten?“ fragte Finni hoffnungsvoll. Das Glühwürmchen lachte. „Ich bin nur ein kleines Licht in der Nacht. Aber ich kann dir den Weg zeigen.“ Finni folgte dem winzigen Leuchten bis zu einem stillen See. Dort traf er auf einen alten Uhu, der gerade auf der Jagd war. „Du suchst das Leuchten?“, fragte der Uhu. Finni nickte. „D...

19.10.2025: Der kleine Bär und der leere Baum

Hoch oben im Nordwald lebte ein kleiner Bär namens Bruno. Bruno war noch jung, doch sein Fell war schon so dicht und weich wie bei den großen Bären. Was ihm jedoch fehlte, war Geduld. „Ich will alles jetzt gleich“, brummte er oft. „Ich will Honig, Beeren, ein warmes Nest – und zwar sofort!“ Eines Tages fand Bruno einen alten, hohen Baum mit einem großen Loch in der Mitte. „Da wohnt sicher ein Bienenvolk“, sagte er sich und kletterte aufgeregt hinauf. Doch das Loch war leer. Kein Summen, kein Honigduft. Nur trockene Rinde und ein wenig Moos. Bruno stampfte mit der Tatze. „Ich hab doch gesagt, ich will Honig!“ Da hörte er eine leise Stimme aus der Nähe. Es war ein alter Dachs, der unter dem Baum döste. „Manchmal muss man warten, kleiner Bär. Die besten Dinge kommen zu denen, die still bleiben.“ Bruno schnaubte. „Still bleiben ist langweilig.“ Der Dachs lächelte. „Dann ist heute ein guter Tag, um es zu üben.“ Zuerst war Bruno wütend. Doch er war auch neugierig. Also setzte er sich neben d...

12.10.2025: Die Schnecke und der Wind

Auf einer großen, grünen Wiese lebte eine kleine Schnecke namens Sissi. Sissi war nicht besonders schnell, nicht besonders auffällig – aber sie war sehr aufmerksam. Während andere Tiere von Blume zu Blume flitzten oder durch die Lüfte flatterten, kroch Sissi langsam über das Gras und betrachtete jedes Blatt, jeden Tautropfen, jede Spur im Boden. Eines Tages kam ein kräftiger Wind über die Wiese geweht. Die Grashalme bogen sich, die Blätter rauschten, und der Wind rief laut: „Schneller! Höher! Weiter! Wer nicht fliegt, bleibt zurück!“ Die Schmetterlinge lachten und ließen sich vom Wind tragen. Die Spatzen flatterten aufgeregt umher. Und Sissi? Sie kroch weiter – langsam, wie immer. Der Wind bemerkte sie und rauschte näher heran. „Du bist viel zu langsam, kleine Schnecke! Willst du nie irgendwo ankommen?“ Sissi blieb stehen. „Ich komme immer an. Nur in meinem eigenen Tempo.“ Der Wind lachte. „Aber das dauert doch ewig!“ Sissi sah sich um. Neben ihr glitzerte ein Tautropfen in der Sonne. ...

5.10.2025: Der Biber, der das Wasser vergaß

An einem breiten, friedlichen Fluss lebte ein junger Biber namens Benno. Benno war fleißig, klug und ein Meister im Bauen. Schon mit wenigen Ästen konnte er beeindruckende Dämme errichten, und alle Tiere am Ufer bewunderten seine Werke. Eines Tages hörte Benno, wie ein Reiher sagte: „Der Biber ist ein echter Architekt. Aber ob er auch weiß, warum er all das baut?“ Benno wurde nachdenklich. Er arbeitete viel. Er baute den ganzen Tag. Doch irgendwann fragte er sich: Wofür mache ich das eigentlich? Für wen? Und wann hatte er das letzte Mal einfach nur im Wasser geschwommen? Am nächsten Morgen beschloss Benno, einen Tag lang nichts zu bauen. Er legte die Äste beiseite, tappte ans Ufer, setzte sich auf einen flachen Stein – und schaute einfach nur aufs Wasser. Das Flussufer war still. Die Strömung glitzerte im Sonnenlicht. Eine Libelle landete auf seiner Nase, flog wieder fort. Benno spürte den Wind, hörte das Plätschern – und zum ersten Mal seit Langem war da kein Plan, keine Aufgabe, kein...