1.2.2026: Der kleine Hase und der lange Schatten
Auf einer sonnigen Wiese lebte ein kleiner Hase namens Milo. Milo war flink, fröhlich und voller Energie. Doch sobald der Abend kam und die Sonne tiefer sank, wurde Milo still. Denn dann wurden die Schatten lang.
„Sie sehen aus wie riesige Tiere“, flüsterte Milo und blieb dicht bei seinem Bau. „Was, wenn sie sich bewegen?“
Jeden Abend beobachtete er, wie sein eigener Schatten länger und größer wurde. Das machte ihm Angst.
Eines Abends setzte sich eine alte Schildkröte neben ihn. Sie war langsam, aber ihre Augen waren wach und freundlich.
„Warum schaust du so sorgenvoll?“ fragte sie.
„Die Schatten werden so groß“, sagte Milo. „Sie folgen mir.“
Die Schildkröte lächelte. „Komm, wir gehen ein Stück zusammen.“
Sie gingen langsam über die Wiese. Mit jedem Schritt änderte sich der Schatten, wurde kürzer, länger, mal breit, mal schmal.
„Siehst du“, sagte die Schildkröte leise, „der Schatten tut nichts. Er zeigt nur, dass Licht da ist.“
Milo blieb stehen und schaute genau hin. Tatsächlich – ohne die Sonne gäbe es keinen Schatten. Und sein eigener Schatten bewegte sich nur, weil er selbst sich bewegte.
Zum ersten Mal winkte Milo seinem Schatten zu. Er fühlte sich nicht mehr verfolgt, sondern begleitet.
Als die Sonne ganz unterging, verschwand der Schatten. Milo kroch ruhig in seinen Bau und schlief ein – mit dem Gedanken, dass selbst große Schatten etwas Gutes erzählen können.
Gute Nacht.
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