22.2.2026: Das Eichhörnchen und der leise Abschied
In einem hohen Kastanienbaum lebte ein kleines Eichhörnchen namens Nola. Nola sammelte Nüsse, Zapfen und glänzende Steine. Am liebsten mochte sie Dinge, die blieben.
Doch eines Abends bemerkte sie, dass ein Blatt, auf dem sie jeden Tag gesessen hatte, gelb geworden war. Am nächsten Morgen lag es unten im Gras.
„Warum bist du gegangen?“ flüsterte Nola und kletterte hinab.
Das Blatt antwortete nicht. Aber der Wind bewegte es sanft, als wolle er sagen: Ich bin noch da, nur woanders.
Nola trug das Blatt zurück in den Baum und legte es in eine Astgabel. Doch am Abend war es wieder fortgeweht.
Traurig setzte sie sich auf einen Zweig. Da kam der alte Rabe vorbei.
„Warum bist du so still?“ fragte er.
„Weil Dinge verschwinden“, sagte Nola leise. „Und ich sie gern festhalten würde.“
Der Rabe nickte. „Manche Dinge bleiben nicht bei uns. Aber sie bleiben in uns.“
Nola dachte lange darüber nach. Dann erinnerte sie sich an all die Tage auf dem Blatt: an die Sonne, den Regen, die Gespräche mit Käfern, das leise Rascheln im Wind.
Sie lächelte. Das Blatt war nicht weg. Es war nur ein Teil ihrer Erinnerung geworden.
In dieser Nacht kuschelte sich Nola in ihr Nest. Der Baum rauschte leise, und irgendwo tanzten Blätter im Mondlicht. Nola schlief ein mit dem Gefühl, dass nichts wirklich verloren geht, was man mit dem Herzen behalten hat.
Gute Nacht.
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