15.2.2026: Der kleine Otter und die ruhige Welle
An einem breiten Fluss lebte ein kleiner Otter namens Olli. Olli liebte das Wasser. Er liebte es, zu planschen, zu tauchen und mit den Strömungen zu spielen. Doch wenn der Fluss einmal ganz still war, wurde Olli unruhig.
„Warum bewegt sich heute nichts?“, fragte er. „Ohne Wellen ist der Fluss doch langweilig.“
Eines Abends, als der Himmel sich rosa färbte und der Wind eingeschlafen war, lag der Fluss glatt wie ein Spiegel. Olli paddelte unruhig hin und her.
Da setzte sich eine alte Ente neben ihn.
„Warum bist du so hastig, kleiner Otter?“ fragte sie.
„Der Fluss ist zu ruhig“, antwortete Olli. „Ich mag ihn lieber, wenn er tobt.“
Die Ente lächelte sanft. „Dann schau einmal genau hin.“
Olli hielt inne. Er sah, wie sich die Wolken im Wasser spiegelten. Er sah einen Fisch, der langsam unter ihm glitt. Er sah sein eigenes Gesicht im Fluss, klar und ruhig.
Zum ersten Mal merkte Olli, dass die Stille nicht leer war. Sie war voller kleiner, leiser Dinge.
Er legte sich auf den Rücken und ließ sich treiben. Kein Planschen. Kein Springen. Nur Atmen und Schauen.
„Der Fluss erzählt auch ohne Wellen Geschichten“, flüsterte Olli.
Die Ente nickte.
Als die Nacht kam, schwamm Olli zufrieden ans Ufer, kuschelte sich ins Gras und schloss die Augen. Und der Fluss floss weiter – ruhig, sanft und voller Geheimnisse.
Gute Nacht.
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