26.4.2026: Die kleine Schnecke und der warme Stein

Am Rand eines Gartens, dort wo das Gras kurz und die Erde weich war, lebte eine kleine Schnecke namens Leni. Leni kannte den Garten gut. Sie wusste, wo die Blätter am saftigsten waren und wo der Boden auch nach Regen trocken blieb.

An diesem Abend war der Tag besonders warm gewesen. Als die Sonne unterging, entdeckte Leni einen flachen Stein, der noch immer Wärme ausstrahlte. Er lag mitten auf dem Weg, ganz ruhig, als würde er warten.

Leni kroch langsam auf den Stein. Er fühlte sich angenehm an, nicht heiß, nicht kalt. Von dort aus konnte sie den Garten sehen: die Hecke, die im Wind raschelte, die Blume, die sich geschlossen hatte, und den Himmel, der langsam dunkler wurde.

Ein Käfer lief vorbei, blieb kurz stehen und verschwand wieder im Gras. Irgendwo plätscherte Wasser. Alles bewegte sich, aber nichts eilte.

Leni blieb auf dem Stein sitzen. Ihr Haus lag schwer und vertraut auf ihrem Rücken. Die Wärme zog langsam in die kühle Luft zurück, ganz allmählich.

Als der Stein schließlich nicht mehr warm war, kroch Leni ein kleines Stück weiter, suchte sich einen Platz unter einem Blatt und rollte sich ein. Über ihr zogen Wolken vorbei, und der Garten wurde still.

Leni schloss die Augen. Der Stein lag noch da. Der Garten auch. Und die Nacht breitete sich leise aus.

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