12.4.2026: Die kleine Maus und die Uhr im Turm

In einer alten Stadt, in der die Häuser eng beieinander standen, lebte eine kleine Maus namens Mira. Ihr Zuhause war im Glockenturm am Marktplatz, hoch oben hinter einer Holzverkleidung, dort, wo kaum jemand hinsah.

Mira mochte den Turm. Er war ruhig, besonders nachts. Und er hatte eine große Uhr. Jede Stunde bewegten sich ihre Zeiger ein kleines Stück weiter, und bei jedem Schlag der Glocke vibrierte der ganze Turm ganz sanft.

Mira kannte die Uhr gut. Sie wusste, wann es Zeit war, Futter zu suchen, und wann die Stadt still wurde. Aber in dieser Nacht war etwas anders. Die Uhr schlug nicht.

Mira spitzte die Ohren. Kein Tick. Kein Tack. Nur Stille.

Neugierig lief sie über die Holzbalken bis ganz nah an das Uhrwerk heran. Die Zahnräder standen still, als hätten sie vergessen, was sie tun sollten. Mira setzte sich daneben und wartete.

Draußen zog der Mond langsam über den Himmel. Die Stadt schlief. Kein Wagen fuhr, kein Fenster war mehr hell.

Nach einer Weile hörte Mira ein leises Geräusch. Ganz vorsichtig bewegte sich ein Zahnrad. Dann noch eines. Erst langsam, dann gleichmäßig. Tick. Tack.

Die Uhr begann wieder zu laufen.

Mira blieb noch einen Moment sitzen und lauschte. Dann kroch sie zurück in ihr Nest aus Stoffresten und Papier. Die Glocke schlug einmal, leise und tief.

Mira rollte sich zusammen, während der Turm weiterzählte und die Nacht ruhig verging.

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