22.3.2026: Der kleine Fisch und die schlafende Seerose
In einem stillen Teich, umgeben von hohem Schilf und alten Weiden, lebte ein kleiner Fisch namens Lumo. Lumo war neugierig, aber nicht hastig. Er liebte die ruhigen Stunden, wenn das Wasser glatt wurde und der Himmel sich darin spiegelte.
Am liebsten schwamm Lumo zur großen Seerose in der Mitte des Teichs. Tagsüber stand ihre Blüte offen und weiß, doch sobald der Abend kam, schloss sie sich langsam, Blatt für Blatt, bis sie aussah, als würde sie schlafen.
Eines Abends blieb Lumo unter der Seerose stehen und beobachtete sie genau.
„Was träumst du wohl?“, fragte er leise.
Die Seerose antwortete nicht. Sie lag still auf dem Wasser, nur ihr Schatten bewegte sich sanft im Mondlicht. Lumo schwamm eine kleine Runde um sie herum. Das Wasser war warm, und alles war ruhig.
Plötzlich löste sich ein Tautropfen von einem Blatt und fiel ins Wasser. Es machte ein leises Geräusch, kaum hörbar. Lumo hielt inne und lauschte. Dann fiel noch ein Tropfen. Und noch einer.
Der Teich schien zuzuhören.
Lumo legte sich unter die Seerose, genau dort, wo ihr großer Schatten das Wasser dunkel färbte. Er spürte, wie die Nacht den Teich umhüllte, langsam und gleichmäßig.
Über ihm zog der Mond weiter, und irgendwo raschelte ein Frosch im Gras. Die Seerose blieb geschlossen, ruhig und unbeweglich.
Als Lumo die Augen schloss, war das Wasser ganz still geworden. Der Teich schlief. Und Lumo schlief mit ihm.
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