28.12.2025: Der kleine Dachs und das verlorene Licht

In einem weiten Wald, wo die Bäume so alt waren, dass sie sich Geschichten zuflüsterten, lebte ein kleiner Dachs namens Dorian. Dorian war freundlich, neugierig – und hatte große Angst vor der Dunkelheit.

Jeden Abend, wenn die Sonne unterging und die Schatten länger wurden, verkroch sich Dorian tief in seinen Bau. Er zog die Decke über den Kopf und wartete, bis der Morgen kam.

Eines Tages fand er am Waldrand etwas Seltsames: eine kleine Laterne aus Holz, mit einem zerbrochenen Griff, aber einem warmen, leuchtenden Schein darin.

„Du kannst mich mitnehmen“, flüsterte das Licht.
„Aber ich kann nur leuchten, wenn du anderen hilfst.“

Dorian war verwirrt, aber auch ein bisschen mutiger als sonst. Also nahm er die Laterne und wanderte in der Dämmerung durch den Wald. Schon bald hörte er eine Maus weinen, die sich verlaufen hatte. Dorian brachte sie sicher nach Hause – und die Laterne leuchtete heller.

Später half er einem Igel, der in einem Brombeerbusch feststeckte. Wieder wurde das Licht ein Stück wärmer.

Nach und nach wagte sich Dorian immer weiter hinaus. Jede gute Tat ließ das Licht heller werden. Und mit jedem Schritt schwand seine Angst vor der Dunkelheit.

Eines Nachts stand er mitten auf einer Lichtung, der Himmel voller Sterne, die Laterne in seiner Pfote – nun so hell wie der Mond selbst.

„Danke“, flüsterte das Licht. „Du brauchst mich jetzt nicht mehr. Denn das Licht, das du gesucht hast, ist längst in dir.“

Dorian lächelte. Und von diesem Tag an schlief er friedlich – nicht, weil es nie dunkel war, sondern weil er wusste, dass er selbst leuchten konnte.

Gute Nacht.

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