21.12.2025: Die Schildkröte und der Stern

Es war einmal eine kleine Schildkröte namens Selma, die in einem stillen Garten am Rand des Waldes lebte. Selma war langsam, sehr langsam. Die Vögel neckten sie manchmal, weil sie so trödelte, und die Hasen kicherten, wenn sie wieder einmal mitten auf dem Weg einschlief.

Doch Selma störte das nicht besonders. Sie hatte einen Traum: Sie wollte eines Tages zu einem ganz bestimmten Stern reisen.

„Aber Schildkröten fliegen doch nicht!“, rief der Spatz.
„Und Sterne sind viel zu weit weg!“, meckerte das Eichhörnchen.

Selma aber lächelte nur. Jeden Abend, wenn es dunkel wurde, kletterte sie auf ihren Lieblingsstein und schaute hinauf zum Himmel, wo ein kleiner, funkelnder Stern besonders hell leuchtete – ihr Stern, wie sie ihn nannte.

„Ich komme zu dir, irgendwann“, flüsterte sie.

Die Jahre vergingen. Selma wurde älter, aber sie vergaß ihren Traum nie. Sie wanderte durch den Garten, durch Wiesen, durch Felder. Sie lernte neue Tiere kennen, half den Ameisen, wenn der Regen kam, gab Schatten, wenn die Mäuse Schutz suchten, und erzählte Geschichten, wenn die Nächte lang wurden.

Eines Tages, als die Sonne unterging und der Himmel sich golden färbte, spürte Selma, dass ihre Reise bald zu Ende war. Sie legte sich auf ihren Lieblingsstein, der inzwischen vom Moos weich umhüllt war, und blickte noch einmal zum Stern.

In dieser Nacht, so erzählen die Tiere des Gartens bis heute, leuchtete genau dieser Stern heller als je zuvor. Und wenn der Wind leise weht, hört man ihn flüstern:

„Selma ist angekommen.“

Gute Nacht.

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