14.12.2025: Der kleine Fuchs, der den Wind suchte

Tief im Wald, wo die Bäume flüstern und die Schatten freundlich sind, lebte ein kleiner Fuchs namens Finnegan. Er war jung, neugierig und schneller als jeder seiner Geschwister. Doch es gab etwas, das Finnegan nicht fangen konnte: den Wind.

„Warum willst du den Wind fangen?“ fragte die weise alte Eule, als Finnegan wieder einmal durch das Geäst raste.

„Weil er überall ist und doch nirgends! Ich will wissen, wohin er geht und woher er kommt“, rief Finnegan atemlos.

Die Eule nickte langsam. „Dann musst du lernen, nicht nur mit den Pfoten zu suchen, sondern auch mit dem Herzen.“

Finnegan verstand das nicht ganz, aber er beschloss weiterzusuchen. Er rannte über Lichtungen, sprang über Bäche, kletterte auf Hügel. Überall spürte er den Wind – auf seinem Fell, in seinen Ohren, sogar tief in seinem Bauch, wenn er schnell genug lief. Doch sehen konnte er ihn nie. Festhalten schon gar nicht.

Eines Abends, als der Himmel sich rosa färbte und die Vögel stiller wurden, setzte sich Finnegan auf einen Baumstumpf und blickte in die Ferne. Der Wind wehte sanft durch das hohe Gras.

Er schloss die Augen.

Da hörte er ihn – ein Wispern, leise wie ein Lied: „Ich bin nicht da, um gefangen zu werden, kleiner Fuchs. Ich bin da, um dich zu begleiten, zu kühlen, zu tragen, wenn du rennst – und dich sanft zu erinnern, dass nicht alles im Leben greifbar sein muss, um wichtig zu sein.“

Finnegan lächelte.

Von diesem Abend an rannte er nicht mehr dem Wind hinterher. Er lief mit ihm. Er lernte, ihn zu hören, wenn die Blätter raschelten, ihn zu fühlen, wenn der Tag heiß war, ihn zu ehren, wenn er nach einem langen Lauf durch sein Fell strich.

Und in jeder stillen Nacht flüsterte der Wind leise durch die Bäume:
„Ich bin bei dir, kleiner Fuchs.“

Gute Nacht.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

3.8.2025: Die kleine Eule, die nicht einschlafen konnte

20.7.2025: Die Schnecke und der Wind

10.8.2025: Der kleine Wolf, der lernen wollte zu singen