9.11.2025: Die Maus, die den Mond besuchen wollte

In einem kleinen Garten, unter einer alten Eiche, lebte eine Maus namens Mina. Mina war keine gewöhnliche Maus, denn während ihre Freunde gerne Käse sammelten oder im Gras Verstecken spielten, saß Mina oft still da und schaute zum Himmel.

Am liebsten betrachtete sie den Mond.

„Irgendwann“, flüsterte sie jeden Abend, „besuche ich dich.“

Die anderen Mäuse kicherten.
„Der Mond ist viel zu weit weg“, sagten sie.
„Und selbst wenn du hinkommst – was willst du da oben?“

Doch Mina ließ sich nicht entmutigen. Nacht für Nacht schmiedete sie Pläne. Sie baute eine kleine Leiter aus Streichhölzern, dann ein Segel aus Blättern, schließlich sogar einen Heißluftballon aus einer Walnussschale und einem Stück Taschentuch.

Nichts funktionierte.

Eines Abends, als sie besonders traurig war, setzte sich eine alte Schildkröte neben sie.
„Du willst den Mond besuchen?“ fragte sie mit leiser Stimme.

Mina nickte. „Aber ich bin zu klein. Alles, was ich baue, fällt um oder fliegt nicht.“

Die Schildkröte lächelte. „Weißt du, ich wollte früher auch dorthin. Aber dann habe ich gemerkt: Der Mond kommt jede Nacht zu mir. Ich muss nur hinschauen.“

Mina runzelte die Stirn.

„Schau mal genau hin“, sagte die Schildkröte. „Er leuchtet für dich. Er folgt dir durch den Himmel. Und wenn du ganz still bist, hörst du, wie er dir Gute Nacht sagt.“

Mina blickte hoch. Der Mond hing groß und golden am Himmel. Und plötzlich hatte sie das Gefühl, als würde er nur für sie scheinen.

Sie lächelte. Nicht traurig, sondern warm.
„Vielleicht“, flüsterte sie, „war er ja die ganze Zeit schon bei mir.“

Und in dieser Nacht schlief Mina das erste Mal ein, ohne an eine Rakete oder einen Ballon zu denken. Sondern mit dem Gefühl, dass der Mond sie besucht hatte – ganz ohne Reise.

Gute Nacht.

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